Ich hab ein Problem

Ich hab ein Problem. Oft sogar hab ich mehrereviele Probleme auf einmal. Ich denke zu viel nach und schaffe mir oft auch selbst gerne Probleme. Dann denk ich noch mehr darüber nach. Und finde nie Auswege. Normale Menschen würden mit ihren Problemen, egal ob imaginär oder nicht, zu ihren engsten Vertrauten gehen und diese einweihen, damit diese dann eine Lösung für sie finden sollen.

Ich bin da natürlich anders. Natürlich kompliziert anders. Ich kann nicht einfach so auf Men-schen zugehen und ihnen von meinen Problemen erzählen. Egal, ob beste Freundin, die Mutti oder der Partner. Ich war noch nie der Typ, der ein farbenprächtiges Schild hochhält und ruft: "Hier, meine Probleme, lasst ma’ diskutieren!" Das geht nicht, das trau ich mich. Aus ver-schiedenen Gründen.

Nachdem der Göttergatte und ich uns das letzte ausgesprochen hatten, musste ich ihm ver-sprechen, in Zukunft meine Probleme direkter anzusprechen. Seit Tagen versuch ich das nun schon. Seit Tagen befasse ich mich mit einem Problem, mit dem ich mich nicht befassen möchte und das ich eigentlich zu ignorieren versuche. Ich würde es gerne beim Göttergatten abladen. Aber ich kann einfach nicht.

Zum einen weil ich ihm nichts aufbürden will. Und genau das täte ich in diesem konkreten Fall. [Damit ihr euch nicht wundert und sonstwas reininterpretiert: Es geht um einen Behördengang. Einen simplen Behördengang! Trotzdem macht mich die Sache total fertig. Ugh.] Neben Panikattacken und Arbeitsstress muss er genauso sein Leben meistern wie ich. Ich höre mir täglich seine Klagen an, seine Gedanken und seine Sorgen, nicke alles ab. Und bleibe im Stillen darüber, was ich zu erzählen hätte, weil er schon genug am Hals hat, mit dem er sich rumschlagen muss. Und dann soll ich noch meinen Stuss dazugeben? Über Problemchen jammern, die nicht mal annähernd so wichtig sind wie seine? Nein. So egoistisch bin ich dann doch wieder nicht. Oder versuche, es nicht zu sein.

Zum anderen habe ich einfach keine Zeit für Probleme. Wenn wir seine Klagen des Tages durchgegangen sind, hab ich oft keine Lust, auch noch meine zu besprechen. Gerade unter der Woche will ich abschalten und mich berieseln lassen, anstatt mich der harten Realität zu stellen. Und am Wochenende will ich noch weniger was von meinen Problemen wissen und lieber das Leben mit dem Göttergatten genießen. Da bleibt auch keine Zeit, ernste Themen zu besprechen. Könnte man auch Realitätsflucht nennen. Aber so lange nichts brennt oder akut ist, wieso sollte ich mich dann damit befassen? Momentan geht’s mir ja gut, was meine Gefühlszustände betrifft.

Also schiebe ich alle meine Probleme, größere wie kleinere, reale wie eingebildete, vor mir her. Es gibt einfach wichtigeres im Leben. Jetzt steht erstmal Ostern an und ich freue mich auf den Besuch einer österreichischen Delegation sowie all die Dinge, die wir zusammen unternehmen werden. Da bleibt wieder keine Zeit für Probleme.

Randomfacts

Grünes Licht
Bei Zufallsfakten gibt’s auch Zufallsbilder. Wie dieses hier. Noch aus Düsseldorf Anfang des Jahres.

1. Ich wollte mal in Shiro Lolita heiraten.

2. Ich ekel mich mehr vor dem Abwasch als vor einer Toilettenreinigung.

3. Wenn mir langweilig ist, überprüfe ich meine Haarspitzen auf Spliss- und schneide diese auch konsequent ab, sofern ich eine Schere zur Hand habe.

4. Ich kann nicht auf Toilette gehen, wenn ich weiß, dass daneben jemand anderes ist oder jemand direkt vor mir drauf war.

5. Ich gehe allgemein sehr ungern auf Toilette. Ich empfinde das als Zeitverschwendung.

6. Ich sehe mir nur ungern neue Filme an. Lieber sehe ich einen alten Film, den ich bereits kenne, nochmals, als dass mir bei einem neuen Film eine üble Überraschung droht.

7. Ich würde lieber in die Vergangenheit reisen als in die Zukunft.

8. Obwohl meine älteste Erinnerung an einen Zahnarzt mit Schmerzen und Schreien verbunden ist [mir musste ein kariesverseuchter Zahn gezogen werden], hab ich keine Angst vor Zahnärzten.

9. Ich werde sehr oft unterschätzt, und anstatt das zu meinem Vorteil auszunutzen, ärgere ich mich einfach immer darüber >__<

10. Weil ich zu ehrlich bin. Ich lüge nur sehr ungern und lebe lieber ehrlich.

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I can haz the moves

Seit über einer Woche sind wir nun in Düsseldorf. Und seither kann ich das nicht glauben. Waren wir wirklich 500 Kilometer weit gefahren? Waren wir wirklich in eine andere Stadt gezogen? Keine Ahnung! So viel anders ist Düsseldorf nicht als Leipzig. Bzw. Eller, wo wir jetzt wohnen und das immer noch seine dörflerischen Eigenheiten besitzt. Wenn wir durch unser Viertel laufen, auf der Suche nach Nahrung, einer Post oder anderem bürokratischen Schnickschnack, fallen einem die Unterschiede zur "Heimat" [die jetzt eigentlich gar nicht mehr unsere Heimat ist, buhuu!] nur im Detail auf: Höherer Anteil an Bürgern mit Migrationshintergrund, dafür niedrigerer Anteil an offensichtlichen Nazis, Überversorgung durch Apotheken und Voodoo-Zauberernesoterischen Naturheilern, Unterversorgung an Drogerien und Postfilialen. Alle Angaben natürlich ohne Gewähr und beschränkt auf meinen näheren Erfahrungskreis!

Individueller in Eller, Düsseldorf
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Welle:Erdball im Anker, Leipzig

Es war ein wunderbarer Abend und ein glorreicher Abschluss für Leipzig. Vielen Dank an Welle, vielen Dank an die Leipziger! Ohne euch wäre dieses dreistündige [!] Konzert niemals möglich gewesen <3

Welle:Erdball im Anker, Leipzig

Welle:Erdball im Anker, Leipzig

Welle:Erdball im Anker, Leipzig

Welle:Erdball im Anker, Leipzig

Restyle Bluse, Restyle Miedergürtel mit Knochen-Kamee, Lederleggings, Demonia Plateaustiefel
Mein Outfit und Make-up des Abends

 

Viele Bilder hab ich dieses Mal nicht gemacht. Zum einen, weil ich das Konzert genossen habe. Zum anderen, weil ich nur mein Handy dabei hatte. Spiegelreflexkameras waren nämlich nicht erlaubt. Weil es "professionelle" Kameras sind. ALS OB ICH SO MEGAPROFESSIONELL WÄRE UND GANZ PROFESSIONELLE FOTOS MIT MEINER 7 JAHRE ALTEN KAMERA MACHEN KANN. Und weil man mit Kompaktkameras oder Handys ja keine oder nur gaaaanz schlechte Fotos machen kann. Und Videos schon gar nicht. Dafuq? Wie mir diese Regelung auf den Sack geht -.-’ Beim WGT letztes Jahr wurde das genauso gehandhabt und es hat mich dermaßen angekotzt, keine Fotos machen zu dürfen, während andere ganze Auftritte mitfilmten..! Und gerade bei Videos kann ich das eher verstehen, wenn Künstler nicht ihr gesamtes Konzert auf Youtube wiederfinden wollen… Aber schlussendlich helfen diese und Fotos auf Blogs usw. nur dem Künstler dabei, bekannter und populärer zu werden. Oder versteh ich das einfach nur falsch? Ich find’s halt echt schade, weil ich keine eigenen "schönen" Erinnerungen von diesem sonst wunderbaren Abend machen konnte, sondern mir irgendwo fremde Bilder runterladen muss *seufz* Und ich konnte kein gescheites Bild von Fräulein Venus machen. Doppelseufz. Dabei ist sie so hübsch! Und wir standen auch eher auf ihrer Seite. Und erste Reihe, chrm chrm chrm :3

Panik

Eine der wahrscheinlichen Mitursachen meines Kreislaufkollaps vor vier Wochen war Stress. Ich bin normalerweise nur selten gestresst; weder im Büro noch im Privatleben hetze ich mich tagein tagaus von Termin zu Termin. Dennoch war in letzter Zeit für meine Verhältnisse viel los, ich musste mich arbeitsmäßig bei neuen Anwälten einarbeiten, der Umzug muss vorbereitet werden, Wohnungen wurden im Marathon besichtigt, all die vielen fremden Leute kennen lernen, immer wieder quer durch eine unbekannte Stadt fahren, im alten Büro gar nicht mehr wahrgenommen werden und neben all dem auch noch stark und ruhig wie der berühmte Fels in der Brandung zu wirken, damit sich der Mann mit seiner labilen Psyche auch noch auf mich stützen kann. Eigentlich verständlich, dass mir das alles irgendwann zu viel wurde und mein Körper [oder mein Kopf?] der Meinung war, nun ist Schluss. Schicht im Schacht und Ende im Gelände. Einfach mal ne Auszeit gönnen. Haha, aber doch nicht unterwegs, wenn ich ohne Begleitung bin?!

Wie dem auch sei. Es ist schwer. Es ist schwer, mit Panikattacken zu leben, wenn sie einen selbst nicht betreffen. Natürlich ist es noch schwerer, mit Panikattacken zu leben, wenn sie einen betreffen. Aber diese Sicht kenne ich nicht. Noch nicht vielleicht.

Ich wusste letztes Jahr nach dem Nervenzusammenbruch meines Mannes schon nicht, wie ich mit ihm umgehen soll oder was ich für ihn tun kann. Wenn ihm nicht einmal im Krankenhaus vom Fachpersonal wirklich geholfen werden kann, wie sollte ich das schaffen? Aber irgendwie hatten wir das hinbekommen. Das Leben ging weiter, musste weitergehen, und dafür hatte ich Sorge zu tragen. Ich sollte stark sein. Ich hab ihm zugehört, wenn er über seine Probleme und seinen Frust sprach und versucht, dafür Lösungen zu finden. Ich hab ihn aufgemuntert und getröstet, wenn es ihm schlecht ging. Ich war da für ihn.

Vielleicht ist das so ein Frauending. Vielleicht hat mir dieses Bild auch nur meine Mutter vermittelt und ich hab es einfach übernommen. Aber oft habe ich das Gefühl, dass Frauen sich eher durchbeißen, weniger schnell aufgeben. "Das Leben muss weitergehen". Wie bei den Trümmerfrauen nach dem Krieg. Und es muss ja auch gemacht werden, von irgendjemanden. Meistens betrifft das die Frauen. Während Männer sagen, es müsse gemacht werden, machen es die Frauen einfach. Aber ich will hier nicht weiter antike Klischees bedienen… Auf jeden Fall hatte ich das Gefühl, ich müsse jetzt machen, handeln, mich kümmern, stützen, stark sein, da sein. Ich hatte selber Ängste, ich habe diese Ängste immer noch- aber ich habe keine Zeit dafür. Ich muss funktionieren, damit sich der Göttergatte wieder eholen und ausruhen kann.

Nach den ersten Attacken hab ich mich hin und wieder gefragt, wieso eigentlich ich keine Panikattacken kriege. Nicht, dass ich mir welche wünschen würde… Aber bei meinen Angstzuständen wären die auch nicht weit hergeholt. Vielleicht ist aber meine Angst vor dem Versagen und dem Mann keine Stütze mehr sein zu können die größte Angst. Und vielleicht bin ich es einfach nur zu sehr gewohnt, weiter zu funktionieren.

Ähm, ja. Irgendwie ist mir jetzt der Eintrag entglitten. Eigentlich wollte ich doch über etwas anderes schreiben? Also zurück zum Thema: Es ist nicht leicht, mit jemanden zusammen zu leben, der unter Panikattacken leidet. Ich bemerke die Ursache für die Attacke nicht und oft bemerke ich die Attacke selbst auch nicht. Ich fühle nicht, was mein Mann fühlt. Oft sitze ich nur anteilnahmslos daneben und überlege, wie ich ihm helfen könnte, ohne aber eine Lösung zu finden. Ich weiß nicht, was die Attacke auslöste und noch weniger weiß ich, wie ich sie wieder stoppen kann. Als der Mann nach der ersten Attacke ins Krankenhaus eingeliefert wurde, bekamen wir eine Anleitung mit, wie wir mit der Angst umgehen können. Dieser Zettel war bisher das hilfsreichte – inklusive Termin beim Psychiater -, was wir erhalten haben. Auf der Anleitung stehen Dinge wie langsames, flaches Atmen, sich auf die Wahrnehmungen der Sinne konzentrieren, nicht vor der Angst weglaufen [also nicht komplett ignorieren/davon ablenken] und vor allem Ruhe bewahren, aber noch einiges mehr. Diese Anleitung war für uns schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die meisten Punkte der Liste waren nämlich wirklich nützlich für uns und halfen uns zu lernen, mit den Attacken umzugehen.

Auf tumblr fand ich dann noch eine App namens "SAM", die der Göttergatte aber bereits kannte. Er benutzt sie seither regelmäßig bei jeder Attacke. Nicht nur das schmucke Design, vor allem aber inhaltlich überzeugte die App ihn und hilft ihm wahrscheinlich mehr, als ich es je könnte.

Allerdings beklagte er, dass es ihn auf Dauer nerven würde, immer nur kleine Bilder "auszumalen". Da fiel mir das "Wreck this journal" ein, das sich inzwischen auch in normalen Kreisen relativ großer Beliebtheit erfreut. Grundsätzlich kann man mit diesem [Notiz-]Buch machen, was man will. Reinschmieren, bekritzeln, zusammenkleben, ablecken, zerreißen, übermalen, zerknüllen- der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und lange dauern die kleinen Aufgaben auch nicht. Ich hatte mir erhofft, dass sie ein bisschen Abwechslung bringen und die haptischen Reize ihm helfen, die eingebildeten Signale seines Körpers zu ignorieren.

Und zu allem Überfluss hatte ich nun doch selbst eine Panikattacke. Ich war zum zweiten Kontrolltermin beim Augenarzt und nachdem ich dort wieder Augentropfen bekommen hatte, ging’s auch schon los und mein Kreislauf spielte verrückt. Ich lag über ne Stunde auf einer Liege, hatte Angst vor der Untersuchung, Angst vor dem Ergebnis, Angst vor dem Aufstehen und Angst vor der Arbeit, weil ich schon wieder fehlte. Irgendwann, nach viel Zureden, konnte ich mich immerhin aufsetzen. Die Angst, ein drittes Mal herkommen und diese abartigen Augentropfen nehmen zu müssen, war dann doch größer als die Angst vor dem Befund. Der im Übrigen gar nicht gut ausfiel: Ich hab einen Überdruck im Auge, der von nun an regelmäßig kontrolliert werden muss, da er meinen Sehnerv zerstören kann. Also muss ich in Zukunft quartalsweise zum Augenarzt. Ich freu mich ja so. Nicht. Wenigstens kann ich mir aufgrund des Umzugs einen neuen Arzt suchen und muss nicht mehr in diese Unglückspraxis… Nach der Untersuchung ging es direkt nach Hause, ich war müde und erschöpft. Sogar noch am nächsten Tag war ich etwas wirr im Kopf, hatte immer noch mit den Tropfen zu kämpfen und sobald ich aufstand, um einkaufen oder auf Toilette zu gehen, erschien die Angst an meiner Seite, doch wieder zu kollabieren. Eine Angst vor der Angst entwickelt man da schnell… Meine Hausärztin verschrieb mir nun Korodin, das ich in Zukunft immer bei mir tragen soll, um für "Notfälle" gewappnet zu sein. Ich erzählte ihr, dass ich mMn die Augentropfen nicht vertrage, aber sie glaubte mir nicht. Aber etwas anderes kann es nicht sein und die Tropfen waren wahrscheinlich das einzige, wonach ich im Krankenhaus vor drei Wochen nicht untersucht wurde. Schließlich bin ich seit Jahren nicht mehr anfällig für Schwächeanfälle, wie ich es mal als Teenager war, und auch sonst wurde bei mir keine körperliche Unregelmäßigkeit festgestellt. Was soll es denn bitte sonst sein?!

Wie es weitergeht, wissen wir beide noch nicht. Der Psychiater war der Meinung, dass die Angst wieder gehen könnte, wenn wir den Umzug geschafft und uns in Düsseldorf eingelebt haben. Es kann aber auch sein, dass wir dagegen länger kämpfen müssen. Wir werden uns in Düsseldorf jede Menge neue Ärzte suchen müssen, der Göttergatte für seine Psyche, ich für meine Augen. Auch wenn ich nicht weiß, wie ich in Zukunft auch nur einen Schritt in eine Augenarztpraxis setzen, geschweige denn Augentropfen zu mir nehmen soll. Da werden noch einige panische Momente auf mich zukommen…